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Helmut Rahn
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Helmut Rahn (* 16. August 1929 in Essen; â 14. August 2003 ebenda) war ein deutscher FuĂballspieler. Der torgefährliche FlĂźgelstĂźrmer im damaligen WM-System absolvierte von 1950 bis 1960 in der erstklassigen FuĂball-Oberliga West bei den Vereinen Sportfreunde Katernberg, Rot-Weiss Essen und 1. FC KĂśln insgesamt 260 Ligaspiele und erzielte dabei 106 Tore.cite-ref-2[2] Mit Essen gewann er 1953 den DFB-Pokal und 1955 die deutsche FuĂballmeisterschaft. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1954 in Bern (Schweiz) Weltmeister. Nach seinem Wechsel in die Niederlande erzielte er beim SC Enschede von 1960 bis 1963 in der Eredivisie in 69 Ligaspielen weitere 39 Tore, ehe er bei der Premiere der FuĂball-Bundesliga mit dem MSV Duisburg Vizemeister wurde und dabei in 18 Einsätzen acht Tore erzielte.cite-ref-3[3]
Rahn wurde durch seinen Siegtreffer zum 3:2 im WM-Finale 1954 gegen Ungarn zur FuĂballlegende, die Deutschland zum Weltmeister machte und das âWunder von Bernâ begrĂźndete. Der Treffer wurde später zum âTor des Jahrhundertsâ gekĂźrt.cite-ref-4[4] Legendäre Bekanntheit genieĂt in diesem Kontext auch der damalige Radiokommentar von Herbert Zimmermann, der kurz vor Rahns entscheidendem Treffer rief: âKopfball - abgewehrt! Aus dem Hintergrund mĂźsste Rahn schieĂen, Rahn schieĂt - Tooor Tooor, Tooor, Tooor!â Rahn, der im Finale nicht nur zwei Treffer erzielte, sondern auch den Anschlusstreffer der deutschen Mannschaft zum 1:2 vorbereitet hatte, trug nach dem Finale wegen seiner Fähigkeiten als FĂźhrungsspieler den Spitznamen âDer Bossâ.
Contents
⢠Vereinskarriere
⢠WM 1954
⢠WM 1958
⢠Familie
⢠Tod
⢠Statistik
⢠Erfolge
⢠Verein
⢠In der Kunst
⢠Ehrungen
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Vereinskarriere
Helmut Rahn wurde 1929 als dritter von vier SÜhnen einer Bergmannsfamilie in Essen geboren und trat erst als Sechzehnjähriger dem SV Altenessen bei,cite-ref-5[5] bei dem er sich in den nächsten vier Jahren als eifriger Torschßtze etablierte.
Ab 1949 spielte er fĂźr den hĂśherklassigen SC Oelde 09,cite-ref-6[6] wo er in der Saison 49/50 52 Tore erzielte und in der viertklassigen Bezirksklasse Staffel 1 (Bielefeld) den 5. Rang belegte.cite-ref-7[7] AnschlieĂend kehrte er nach Essen zurĂźck und unterschrieb beim 2. Ligameister und OberligarĂźckkehrer Sportfreunde Katernberg zur Saison 1950/51 einen Vertrag. Im Essener Norden debĂźtierte der gerade 21 Jahre alt gewordene StĂźrmer am 27. August 1950 bei einem Heimspiel am âLindenbruchâ im Team der GrĂźn-WeiĂen gegen Borussia MĂśnchengladbach in der Oberliga West. Beim 3:2-Erfolg zeichnete er sich erstmals auch als TorschĂźtze aus. Da auch noch der weitere Neuzugang Willi Vordenbäumen voll einschlug und TorhĂźter Heinz Kubsch ein herausragender KĂśnner war, belegte der Zechenclub als Aufsteiger den 12. Rang; Lokalrivale Rot-Weiss Essen beendete die Runde auf dem 6. Rang. Harald Landefeld, intimer Kenner der Oberliga West von Beginn an und später Ăźber 20 Jahre als Chefredakteur des âSport-Beobachterâ am Ball, schildert im Buch Ăźber die Oberliga West mit dem Titel âHelmut, erzähl mich dat Tor âŚâ seinen ersten Spieleindruck des jungen Rahn in der Oberliga: âIch habe ihn damals nicht entdeckt. Aber ich weiĂ noch genau, was ich beim ersten Male, als ich ihn am Lindenbruch gegen den STV Horst-Emscher spielen sah, fĂźr eine Ăberschrift gewählt habe: ,Man merke sich: Rahn!â Das war kein KunststĂźck. Wer nicht gerade Tomaten auf den Augen hatte, dem musste es einfach auffallen: Dieser Junge dort hatte das gewisse Etwas. So einen hatte es seit Jahrzehnten im deutschen FuĂball nicht mehr gegeben! Kein Wunder, dass die Sportfreunde Katernberg am Lindenbruch nur Durchgangsstation fĂźr ihn waren.âcite-ref-8[8] Nach 30 Oberligaeinsätzen mit sieben Toren wechselte Rahn 1951 zu RWE, dem grĂśĂten und traditionsreichsten Verein seiner Heimatstadt. Der legendäre RWE-Boss Georg Melches hatte gegen den FC Schalke 04 das Rennen um Rahn gewonnen.
Im ersten Heimspiel im Stadion an der HafenstraĂe, am 26. August 1951 gegen den STV Horst-Emscher, spielte erstmals in der Oberliga West die Dreierspitze Rahn, August Gottschalk und Bernhard Termath zusammen. Essen gewann das Spiel mit 5:0 und die drei Angreifer entwickelten sich in der Folgezeit zu einem der besten und torgefährlichsten Angriffstrios im Westen. Die Rot-Weissen gewannen unter Trainer Karl Hohmann mit 45:15 Punkten mit fĂźnf Punkten Vorsprung gegenĂźber Vizemeister FC Schalke 04 die Westmeisterschaft. Rahn und Termath hatten jeweils als FlĂźgelstĂźrmer 20 Tore erzielt und Spiellenker Gottschalk vervollständigte mit 19 Treffern den Angriff des neuen Westmeisters.
Als Westtitelverteidiger belegte das Team aus Bergeborbeck 1952/53 den 3. Rang, gewann aber im Finale am 1. Mai in DĂźsseldorf mit einem 2:1 gegen Alemannia Aachen den DFB-Pokal. Neuzugang Franz Islacker und Rahn zeichneten sich dabei als TorschĂźtzen aus und Fritz Herkenrath hĂźtete das Tor. Im Jahr der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, 1953/54, belegte Essen mit einem Punkt RĂźckstand zum 1. FC KĂśln den Vizemeisterrang. Angreifer Rahn hatte alle 30 Rundenspiele bestritten und dabei 18 Tore erzielt und seine Anwartschaft auf einen Platz fĂźr die Turniertage in der Schweiz unterstrichen. Im Jahr nach der Weltmeisterschaft, 1954/55, wurden die Rot-Weissen zuerst Westmeister und besiegten den 1. FC Kaiserslautern am 26. Juni 1955 in Hannover im Finale um die deutsche Meisterschaft mit 4:3. Im Endspiel bezwangen die Essener unter dem neuen Trainer Fritz Szepan mit SpielfĂźhrer August Gottschalk, RechtsauĂen Rahn und dem dreifachen TorschĂźtzen âPennyâ Islacker die âWalter-Elfâ vom Betzenberg. Zunächst hatte Rahn eine Gelbsucht zu einer fast dreimonatigen Pause gezwungen,cite-ref-9[9] so dass er nur in 19 Rundenspielen mit fĂźnf Toren an der Westmeisterschaft mitwirken konnte.
In den folgenden Jahren konnte der deutsche Meister des Jahres 1955 sein LeistungsvermĂśgen aus vielfältigen GrĂźnden â Ende der Laufbahn von August Gottschalk, Wechsel von Berni Termath nach Karlsruhe, gewisser Sättigungsgrad nach Jahren des Erfolges und vielen internationalen Spielen und auch die mannschaftliche Geschlossenheit war allmählich verloren gegangen â nicht mehr auf diesem Niveau halten und nicht mehr an die Erfolge der zurĂźckliegenden Jahre anknĂźpfen.cite-ref-10[10] Aber auch der Werdegang des WM-Helden trug dazu bei. 1957 fuhr Rahn mit seinem Wagen volltrunken in eine Baugrube und wurde daraufhin vorläufig festgenommen. Die angerĂźckten Polizisten hatte er mit Schlägen und Tritten attackiert.
Nach acht Jahren kĂźndigte Rahn 1959 seinen Abschied aus Essen an und wechselte zum 1. FC KĂśln. Sein letztes Ligaspiel fĂźr Rot-Weiss Essen bestritt der NationalstĂźrmer am 22. April 1959 bei einer 2:3-Heimniederlage gegen den SV Sodingen. Standesgemäà verabschiedete er sich als zweifacher TorschĂźtze an der Seite von Mitspielern wie Islacker und Vordenbäumen. Mit der âGeiĂbock-Elfâ gewann er 1959/60 neben Angriffskollegen wie Hans Schäfer und Christian MĂźller Ăźberlegen die Meisterschaft in der Oberliga West. Rahn hatte in 29 Ligaeinsätzen elf Tore erzielt, und KĂśln startete in die Endrunde um die deutsche FuĂballmeisterschaft als Titelfavorit. In der Gruppenphase setzte sich der Westmeister mit 9:3 Punkten durch â Rahn hatte alle sechs Gruppenspiele bestritten und vier Tore erzielt â und zog in das Finale am 25. Juni in Frankfurt gegen den Hamburger SV ein. Das Endspiel wurde mit 2:3 verloren. Nach dem Finale wurde am 27. Juni im Sport-Magazin notiert, dass bei den KĂślnern âdie echte Form fĂźr ein Endspiel die Spieler Sturm, Wilden, Breuer und Rahn mitgebrachtâ hätten. Sein Gegenspieler Gerd Krug wird in der gleichen Ausgabe mit der Aussage zitiert, âich habe wohl nicht gut gegen Rahn ausgesehenâ.cite-ref-11[11]
Bei den KÜlnern handelte sich Rahn einige Disziplinarstrafen ein, 1961 geriet er erneut wegen Trunkenheit am Steuer in die Schlagzeilen und wurde als Wiederholungstäter zu vier Wochen Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.
Angebote von groĂen europäischen Clubs schlug er aus, bis auf ein dreijähriges Engagement ab dem Jahr 1960, als er auf der Zielgeraden seiner Karriere mit 31 Jahren beim Sportclub Enschede in den Niederlanden seine fuĂballerische Laufbahn nach dem einen Jahr in KĂśln im Ausland fortsetzte. Dort erzielte er 39 Tore in 69 Erstligaspielen und war damit bis zum 13. Mai 2022 deutscher RekordtorschĂźtze in der Eredivisie, bis er von Lennart Thy, mit 40 Toren, Ăźberholt wurde.cite-ref-12[12]
Beim Start der FuĂball-Bundesliga 1963 spielte Rahn beim Meidericher SV. In der ersten Bundesligasaison bestritt der Altstar 18 Spiele und schoss acht Tore.cite-ref-13[13] Am vierten Spieltag im Spiel gegen Hertha BSC wurde er von Schiedsrichter Edgar Deuschel nach einer Tätlichkeit beim Spielstand von 1:2 (Endergebnis 1:3) als erster Bundesligaspieler des Feldes verwiesen;cite-ref-14[14] er kam erst wieder im 8. Spiel zum Einsatz. In der nächsten Saison stand Rahn zwar noch im Kader der Meidericher, kam aber wegen Problemen an der Achillessehne nur noch einmal, bei der 2:4-Niederlage gegen Borussia Neunkirchen, zum Einsatz. Nach einer Operation an der Achillessehne musste Rahn seine Karriere 1965 im Alter von 35 Jahren beenden.
Nationalmannschaft
Ende 1951 wurde Rahn erstmals in den Kader der Nationalmannschaft berufen und debĂźtierte gemeinsam mit RWE-Angriffskollege âBerniâ Termath am 21. November 1951 beim 2:0-Sieg Ăźber die TĂźrkei in Istanbul. Wenige Wochen später gelang ihm â in seiner Heimatstadt Essen â beim 4:1 Ăźber Luxemburg sein erstes Länderspieltor. In den erfolgreichen Spielen gegen Norwegen (1:1, 5:1) und das Saarland (3:0, 3:1) 1953 und 1954 in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft in der Schweiz wurde Rahn ebenfalls von Bundestrainer Herberger eingesetzt. Am linken FlĂźgel war jetzt der KĂślner Hans Schäfer im Vorteil, am rechten FlĂźgel war neben Rahn auch noch mit dem Schalker Bernhard Klodt zu rechnen.
WM 1954
1954 wurde Rahn von Nationaltrainer Sepp Herberger fĂźr die WM-Endrunde in der Schweiz nominiert. Unmittelbar nach der Vizemeisterschaft 1953/54 in der Oberliga West begann fĂźr die Mannschaft von Georg Melches am 23. April 1954 eine neunwĂśchige SĂźd- und Nordamerikareise. Die Mannschaft aus dem Essener Industrieviertel Bergeborbeck besuchte Argentinien, Uruguay, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien und die USA und es wurden insgesamt 16 Spiele ausgetragen. Diese SĂźd- und Nordamerikareise bildete zweifelsohne den HĂśhepunkt der internationalen Begegnungen, die am 18. Juni 1949 mit einem 2:2 gegen Wacker Wien an der Essener HafenstraĂe begonnen hatten. Nach Bolivien musste Helmut Rahn zurĂźck nach Deutschland. Dort stand in der Sportschule MĂźnchen-GrĂźnwald der letzte Sichtungslehrgang vor der Weltmeisterschaft an. Die WAZ schrieb am 14. Mai 1954, dass Rahn und Islacker jeweils ein Angebot von Racing Club Buenos Aires Ăźber 3.000 DM Monatsgehalt vorliege, und auch Termath, Wientjes und Herkenrath standen hoch im Kurs.cite-ref-15[15]
Zunächst gab Herberger in der Schweiz im Vorrundenspiel gegen die TĂźrkei (4:1) dem Schalker Berni Klodt den Vorzug. Rahn kam dafĂźr im zweiten Spiel gegen Ungarn zum Einsatz, als Herberger aus taktischen GrĂźnden (eine absehbare Niederlage gegen Ungarn wĂźrde ein zusätzliches Entscheidungsspiel gegen die TĂźrkei bedeuten) die Stammspieler schonte und die halbe Mannschaft mit Ersatzspielern aufbot. Die deutsche Reserve-Elf wurde von den Ungarn mit 3:8 deutlich geschlagen. Rahn war noch einer der besten Spieler und erzielte einen Treffer â fĂźr Herberger mit ein Grund, ihn im Viertelfinale gegen Jugoslawien aufzustellen, wo Rahn beim 2:0 erneut traf. Nach einem 6:1 Ăźber Ăsterreich standen die Deutschen Ăźberraschend im Endspiel, wo sie als AuĂenseiter wieder auf Ungarn trafen. Nach 0:2-RĂźckstand glich die deutsche Elf durch Tore von Max Morlock und Rahn aus, der in der 84. Minute auch den Siegtreffer zum 3:2 erzielte. Das âWunder von Bernâ war perfekt und ganz Deutschland feierte seine Weltmeister.
Im Kontext des sich langsam wieder entfaltenden Selbstbewusstseins von Nachkriegsdeutschland gilt der Siegtreffer von Rahn gegen die favorisierten Ungarn bis heute als wohl berĂźhmtestes Tor der deutschen FuĂballgeschichte. Ăbermittelt wurde es durch die Radio-Reportage von Herbert Zimmermann:cite-ref-16[16] â⌠Kopfball â abgewehrt â aus dem Hintergrund mĂźsste Rahn schieĂen â Rahn schieĂt! â Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor! âŚâ
WM 1958
Obwohl Rahn in den folgenden Jahren durch Eskapaden in negative Schlagzeilen geraten war und von 1955 bis 1957 lediglich sieben weitere Länderspiele absolviert hatte, hielt Herberger an seinem RechtsauĂen fest und verzichtete auch bei der WM 1958 in Schweden nicht auf ihn, den er einmal als âMeister der positiven Improvisationâ tituliert hatte. In der Vorrunde erzielte Rahn drei Treffer gegen Argentinien (3:1) sowie je ein Tor gegen Nordirland (2:2) und die Tschechoslowakei (2:2). Ein weiteres Tor gelang Rahn im Viertelfinale gegen Jugoslawien, sodass Deutschland in das Halbfinale einzog. Hier schied der Titelverteidiger nach einem 1:3 gegen Gastgeber Schweden aus. Das folgende Spiel um Platz drei wurde 3:6 gegen Frankreich verloren.
Nach sechs WM-Treffern und einem insgesamt starken Turnier wurde Rahn 1958 bei der Wahl zu Europas FuĂballer des Jahres auf Platz zwei gewählt und war damit bis 1970 bestplatzierter deutscher Spieler bei dieser Wahl.
Seinen letzten Einsatz fßr die Nationalmannschaft absolvierte er am 27. April 1960 beim 2:1 ßber Portugal, wobei ihm noch einmal ein Tor gelang. In Ludwigshafen hatte er mit Jßrgen Schßtz, Uwe Seeler, Helmut Haller und Albert Brßlls den Angriff der deutschen Nationalmannschaft gebildet. Nach 40 Länderspielen (21 Tore) verzichtete der DFB zukßnftig auf Rahn, der zur Saison 1960/61 einen Profivertrag in den Niederlanden beim SC Enschede unterschrieben hatte.cite-ref-17[17]
Vor der Weltmeisterschaft 1962 in Chile gab es aber wieder Kontakte zwischen dem Bundestrainer und Helmut Rahn. Laut Leinemann besuchte Sepp Herberger am 29. Januar 1962 zusammen mit Helmut SchĂśn den Essener in seiner Wohnung. Rahn wog 85,5 Kilogramm, und Herberger fand das nicht sehr ermutigend, um fĂźr Chile noch einmal in Form zu kommen. Doch erklärte sich der ehemalige Verbandstrainer Kuno KlĂśtzer bereit, mit Rahn ein Sondertrainingsprogramm zu absolvieren. Herberger: âIch sage ihm, daĂ er schwerer an sich arbeiten mĂźsse und daĂ ich nicht an ihn glaube!â Um elf Uhr am 25. Februar, einem Sonntag, meldete sich Kuno KlĂśtzer, um zu berichten, dass Rahn sich verletzt habe und dass das RĂśntgenbild einen Haarbruch im Wadenbein zeige. Drei bis vier Wochen absolute Ruhe und damit das Ende aller Hoffnungen. âDiese bedauerliche Tatsache macht natĂźrlich Ihre Pläne zunichte. Aus alter Freundschaft zu Ihnen bedauere ich das sehrâ, schrieb Herberger an Rahn.cite-ref-18[18]
Die fuĂballerischen Eigenschaften von Rahn
Ăbereinstimmend wird er als schnell, durchsetzungs- wie beidfĂźĂig schussstark beschrieben, als InstinktfuĂballer mit Ăźberraschenden Einzel- und Abschlussaktionen. Er war die Unberechenbarkeit in Person, ein wuchtiger Dribbler, kraftstrotzend und selbstbewusst. Laut seinem Nationalmannschaftskameraden Horst Eckel âmachte es der Boss eben auch mal alleine, er hatte Dinger drauf, die weder Mit- noch Gegenspieler erwarteten.âcite-ref-19[19] Rudi Michel hält fest, dass Rahn âDynamit in den Beinen hatte, und da musste jeder Torwächter der Welt aufpassen.â Der Essener war als Spieler ein ebenso temperamentvoller wie eigenwilliger Typ, ein unberechenbarer Solist, der den Erfolg mit explosiver Dynamik im Alleingang suchte. Nach dem Spiel wurde er als Muntermacher und hilfsbereiter Kumpel hochgeschätzt, fĂźhrt Michel weiter aus.cite-ref-20[20] Bei Leinemann ist notiert, dass Bundestrainer Herberger an Rahn seine Rasanz und seinen unwiderstehlichen Zug zum Tor schätzte und er ihn fĂźr eines der grĂśĂten Talente hielt, die der deutsche FuĂball je hervorgebracht hat. Er sei ein GroĂer im deutschen und im WeltfuĂball geworden.cite-ref-21[21]
Leben nach dem FuĂball
1965 konnte Rahn auf eine lange und erfolgreiche sportliche Karriere zurĂźckblicken. Als Geschäftsmann blieb er aber weitgehend erfolglos. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans versuchte er sich als Gebrauchtwagenhändler, später arbeitete er als Repräsentant und Verkaufsleiter einer Entsorgungsfirma fĂźr Bauschutt. In den 1970er Jahren organisierte er einige Benefizspiele, bei denen er mitunter noch selber mitspielte. Danach vermied er Ăśffentliche Auftritte im Zusammenhang mit seiner FuĂballerzeit. Selbst fĂźr die Dreharbeiten zu SĂśnke Wortmanns Spielfilm Das Wunder von Bern, in dem die Rolle von Helmut Rahn im Mittelpunkt steht, konnte er nicht fĂźr eine beratende Mitwirkung interessiert werden. RegelmäĂig anzutreffen war er lediglich in seiner Stammkneipe, der Friesenstube in Essen auf der Frohnhauser StraĂe, wo heute eine Tafel an ihn erinnert. In der Kneipe soll er zum WM-Finale â auf die wiederkehrende Bitte Helmut, erzähl mich dat Tor â regelmäĂig den Spruch gemacht haben: Ich die Kirsche auf'n linken Schlappen, dann zieh ich ab. Was dann passiert is, wisst ihr ja.cite-ref-22[22] Später griff Lothar Emmerich (Gib mich die Kirsche!) ebenfalls die Kirsche fĂźr den FuĂball auf.
Familie
Helmut Rahn heiratete 1953 die Verkäuferin Gertrud Ermeling (1931â2012). Aus ihrer Ehe gingen zwei SĂśhne hervor, Uwe (* 1954) und Klaus-Peter (* 1956).cite-ref-23[23] Der Enkel eines Cousins ist der ghanaische Nationalspieler Kevin-Prince Boateng.
Tod
Am 14. August 2003 starb Helmut Rahn nach langer, schwerer Krankheit zwei Tage vor seinem 74. Geburtstag in seiner Essener Wohnung. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Margaretenfriedhof in Holsterhausen (Grablage H-144). Am 12. Juli 2004 wurde mit einem Festakt im Essener Georg-Melches-Stadion vor etwa 5500 Zuschauern die Helmut-Rahn-Statue zu seinen Ehren enthĂźllt. Seit Juli 2014 steht diese fast lebensgroĂe Bronzestatue von Inka Uzoma auf dem seit Oktober 2018 so genannten Helmut-Rahn-Platz am neuen Stadion an der HafenstraĂe.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]cite-ref-26[26] Die Helmut-Rahn-Sportanlage in Essen-Frohnhausen trägt seit 2010 seinen Namen. Ebenso trägt die Helmut-Rahn-Realschule in Essen-Frohnhausen seit 2021 seinen Namen.cite-ref-27[27] In Oelde wurde eine StraĂe und in Lage ein Weg nach Rahn benannt.cite-ref-28[28]
Statistik
⢠40 Länderspiele; 21 Tore fßr Deutschland
⢠1 B-Länderspiel; 2 Tore
⢠1. Bundesliga 19 Spiele; 8 Tore Meidericher SV
⢠Oberliga West 30 Spiele; 7 Tore fßr Katernberg 201 Spiele; 88 Tore Rot-Weiss Essen 29 Spiele; 11 Tore 1. FC KÜln
⢠Endrunde um die deutsche Meisterschaft 10 Spiele; 6 Tore RW Essen 7 Spiele; 4 Tore 1. FC KÜln
Erfolge
Verein
Nationalmannschaft
In der Kunst
Der Spielfilm Das Wunder von Bern aus dem Jahre 2003 ist Helmut Rahn gewidmet. Er wird in diesem Film von Sascha GĂśpel dargestellt. Hinzu kommt das gleichnamige Musical, in dem ihm eine groĂe Rolle zukommt.cite-ref-29[29]cite-ref-30[30]
Deutsches FuĂballmuseum
Der linke Schuh, mit dem Helmut Rahn in der WM 1954 das entscheidende Tor schoss, wurde später mit Bronze Ăźberzogen und ist im Deutschen FuĂballmuseum in Dortmund ausgestellt.cite-ref-31[31]
Ehrungen
⢠2018: Aufnahme in die erste Elf der âHall of Fame des deutschen FuĂballsâ des Deutschen FuĂballmuseums.cite-ref-32[32]
⢠2021: Benennung der Helmut-Rahn-Bushaltestelle.cite-ref-33[33]
Literatur
⢠Thorsten Moser: Ein Kapitel der deutsch-niederländischen FuĂballgeschichte â Helmut Rahn und der Sportclub Enschede. Books on Demand, Hamburg 2020, ISBN 978-3-7526-4870-6
⢠Christian Karn, Reinhard Rehberg: Spielerlexikon 1963â1994. Agon Sportverlag. Kassel 2012. ISBN 978-3-89784-214-4. S. 397.
⢠Helmut Rahn: Mein Hobby: Tore schieĂen. 1959, ISBN 3-421-05836-9. (Neu aufgelegt mit Vor- und Nachwort von Hermann Beckfeld. Henselowsky Boschmann Verlag, Bottrop 2014, ISBN 978-3-942094-40-5.)
⢠Helmut Rahn: In den guten Schuhen wird nicht FuĂball gespielt. In: ⌠der Boss spielt im Himmel weiter: FuĂball-Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Herausgeber: Hermann Beckfeld, Werner Boschmann. Henselowsky Boschmann Verlag, Bottrop 2006, ISBN 3-922750-62-1.
⢠Harald Landefeld, Achim NĂśllenheidt (Hrsg.): âHelmut, erzähl mich dat Tor âŚâ. Klartext Verlag. Essen 1993. ISBN 3-88474-043-1.
⢠Georg Schrepper, Uwe Wick: â⌠immer wieder RWE!â Die Geschichte von Rot-WeiĂ-Essen. Verlag Die Werkstatt. GĂśttingen 2004. ISBN 3-89533-467-7.
Weblinks
Commons
: Helmut Rahn
â Sammlung von Bildern
⢠Literatur von und ßber Helmut Rahn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Helmut Rahn in der Datenbank von weltfussball.de
⢠Helmut Rahn in der Datenbank von fussballdaten.de
⢠Helmut Rahn in der Datenbank von National-Football-Teams.com (englisch)
⢠Markus Wessel: Porträt Helmut Rahn: Das Leben â Nur ein Augenblick. Auf: Die Helden von Bern, ard.de-Projekt; abgerufen am 19. Juni 2014.
⢠Udo Muras: Helmut, erzähl mich dat dritte Tor! In: Die Welt. 15. August 2003.
⢠team.dfb.de: Der WM-Sieg 54 â Der entscheidende Moment auf Video
⢠Hermann Beckfeld: Helmut, erzähl mich dat Tor! â 60 Jahre nach dem Wunder von Bern In: Ruhr Nachrichten. 30. Mai 2014.
⢠Uwe Wick: Helmut Rahn, in: NDB-online.
Einzelnachweise
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cite-note-44. â Das wahre Jahrhunderttor - und warum es nicht das von Klaus Fischer ist, auf sportschau.de, vom 4. Mai 2021. Abgerufen am 4. Mai 2021.
cite-note-55. â Helmut Rahn: Mein Hobby: Tore schieĂen. 1959, ISBN 3-421-05836-9, S. 11.
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cite-note-1515. â Schrepper, Wick: â⌠immer wieder RWE!â S. 77â80.
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cite-note-2626. â Essen bekommt âHelmut-Rahn-Platzâ, essen.de, 11. Oktober 2018.
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cite-note-3232. â Elf FuĂball-Legenden und eine Trainer-Ikone (Memento vom 23. November 2018 im Internet Archive)
cite-note-3333. â Helmut Rahn Bushaltestelle ¡ 21726 Heinbockel, Deutschland. Abgerufen am 19. April 2022.